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Fit für die digitale Transformation im Handwerk

Im Interview mit der TOLEX-Manufaktur: Stephan Herwartz | Inhaber sahhoch3 Unternehmensberatung, Bonn



Stephan Herwartz ist Berater und Coach aus der Praxis heraus - mit über 30-jähriger Berufspraxis und Erfahrung aus unterschiedlichen, leitenden Positionen und Branchen, u.a. bei etablierten mittelständischen Markenherstellern. Er berät und coacht seit über 14 Jahren namhafte Institutionen und KMU`s, sowie Gründer / Startups in allen Phasen ihres Unternehmenszyklus - vom Gründer bis zum Corporate. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Beratung von Strategie / Positionierung, Geschäftsmodellen und Wandlungsprozessen. – insbesondere vor dem Hintergrund der digitalen Transformation. Von ihm betreute Beratungsprojekte wurden bereits vielfach für Wachstums- und Gründerpreise nominiert und mehrfach ausgezeichnet. Stephan Herwartz ist gelisteter/akkreditierter Berater für diverse Förderprogramme von Land, Bund und Europäischer Union - gezielt für KMUs, Existenzgründer und Startups. Neben seiner Beratungstätigkeit leitet er im Rahmen seiner „beTransformer“ - Akademie interaktive und anwendungsbezogene Formate wie Masterclasses, Workshops sowie Webinare und Seminare. Darüber hinaus ist er als Referent, Impulsgeber und Moderator zu seinen Beratungs- und Coaching-Themen aktiv.


Warum ist die digitale Transformation auch für kleine Betriebe wichtig?


Die Digitalisierung ändert die Spielregeln des täglichen Handelns. Die Umwälzungen in den nächsten Jahren sind deutlich stärker und schneller, als wir es bisher erlebt haben. Neue Technologien, ein sich stetig änderndes Kundenverhalten und die damit verbundenen Erwartungen an die Unternehmen sind wesentliche Treiber. Wer Anschluss und Kunden nicht verlieren will, muss spätestens jetzt handeln. Die Technik entwickelt sich exponentiell weiter, macht das Geschäft schneller, einfacher und effizienter. Da einen echten Mehrwert für seine Kunden anzubieten, heißt, zwingend Geschäftsmodelle und -prozesse zu überdenken, neue zu entwickeln und diese digital fit zu machen. Das ist eine enorme Chance gerade auch für kleine und mittlere Unternehmen, da diese viel schneller agieren und umsetzen können. Diesen Wettbewerbsvorteil muss man nur für sich erkennen und strategisch nutzen. Hat man dies getan und nimmt man die Aufgabe an, kommen nachhaltige wirtschaftliche Ergebnisse in der Regel schnell nach. Ich denke da aktuell an einen meiner Klienten: Ein mittelgroßer Elektroinstallations-Fachbetrieb. Dort haben wir die gesamte Organisation auf „Handwerk 4.0“ ein- und umgestellt. Als Ergebnis kann man neben vielen anderem festhalten, dass eine bessere Auslastungsplanung nun möglich ist, die Lagerhaltung reduziert wurde und die Abrechnungs- und Zahldurchlaufzeiten deutlich reduziert werden konnten. Final führt das alles zu einem reibungsloseren sowie wirtschaftlicherem Ablauf im Unternehmen. Dazu wurde der Betrieb als Arbeitgeber immer interessanter, da die Mitarbeiter ihn als modernen, zeitgemäßen Betrieb erkennen und u. a. viel selbstverantwortlicher arbeiten können.


Was hält Betriebe davon ab? Gibt es Barrieren?


Ganz häufig das Bewusstsein. Digitalisierung ist eben nicht nur etwas für die Großen. Wer die Chance für sich erkannt hat, bleibt oft bei der Kernfrage „wo und wie anfangen“ hängen, denn es gibt keine Blaupausen für Digitalisierung. Das ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich - man muss sich damit auseinandersetzen. Das ist auch eine Zeitfrage, viel öfter aber noch eine Frage der Qualifizierung der Mitarbeiter und auch des eigenen Wissens der Führungskräfte. Dadurch gibt es tatsächlich oftmals immer noch Berührungsängste mit dem Thema und erklärt u. a. das Aufschieben des Themas. Oft wird auch nur an die Technik gedacht, weniger an den wirklichen Mehrwert. Durch den diffusen Druck, zu wissen, etwas tun zu müssen, verfallen viele in einen Aktionismus, stetig etwas Neues auszuprobieren - ohne konkretes Ziel. Hier helfen ganz gezielt die Möglichkeiten der Weiterbildung. Stichwort „Lebenslanges Lernen“. Gerade da ist Digitalisierung ein großer Mehrwert für alle: Zeitunabhängiges, selbstgesteuertes Nutzen digitaler Lernangebote, die zielgerichtet und ansprechend aufbereitet sind. Das baut Hürden ab, öffnet das Bewusstsein und die Möglichkeit, dieses und andere Themen erfolgreich anzugehen. Außerdem gibt es gute Fördermöglichkeiten zu Weiterbildung und auch Beratung.


Was ist das Erfolgsgeheimnis von Betrieben, die schon erfolgreich in der digitalen Transformation sind?


Ich denke, man kann nicht von dem einen Erfolgsgeheimnis sprechen. Es ist eher ein Bündel von unterschiedlichen Faktoren. Wie erwähnt, ist das Bewusstsein, dass die digitale Transformation eine große Chance gerade auch für KMUs ist, sicher schon einmal einer der wesentlichsten Faktoren. Dazu kommt dann auf allen Ebenen, also den Mitarbeitern und Führungskräften, Wissen aufzubauen. Damit ist bereits eine gute Basis gelegt. Durch den Wissensaufbau werden auch Ängste genommen und die Mitarbeiter beteiligen sich in der Regel proaktiv an einem solchen Prozess. Was ein weiterer wichtiger Faktor ist. Der Prozess muss übrigens von der Führung gewollt sein und angestoßen werden. Um sich dabei nicht zu verzetteln, hilft auch oftmals zudem der Blick von außen, bspw. ein Berater als Lotse durch das Thema. Damit ist viel Unsicherheit im Thema genommen und die Fragen vom „wo und wie anfangen“ geklärt. Mit dem Lotsen an der Seite kann man so eine zielgerichtete Roadmap, also einen Plan der eigenen Transformation erstellen. Also: Eine offene Kultur, die Bewusstsein schafft, Mitarbeiter wertschätzt und am Prozess beteiligt, das notwendige Wissen dazu vermittelt oder aufbaut und eine Führung, die das alles vorantreibt. Das sind mit die wesentlichsten Faktoren für den Erfolg eines solchen digitalen Transformationsprozesses. Ach ja, das ist auch noch ganz wichtig: Nicht lange zögern. Einfach. Machen!


Was sollte eine Handwerkskammer bzw. das Bildungszentrum einer Handwerkskammer, das Weiterbildung für diese Zielgruppe anbietet, berücksichtigen?


Was mir von meinen Klienten widergespiegelt wird, ist da ganz deutlich: Gezielte Angebote, die niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten in Weiterbildung ermöglichen. Das bezieht sich auf Themen und Inhalte, aber eben auch auf die Möglichkeiten, die Angebote abzurufen. Neben den Präsenz-Veranstaltungen wird die Nachfrage nach digitalen Formaten immer größer. Auch in unserer Akademie spüren wir diesen Trend zunehmend. Übrigens nicht erst durch die Pandemie-Situation – die hat es nur noch einmal verstärkt, es war auch vorher schon eine deutliche Zunahme der Nutzung digitaler Angebote zu sehen. Auch der Anspruch an solche digitalen Inhalte nimmt stetig zu. War man früher oft schon mit einem pdf zum Download zufrieden – reicht das heute keinesfalls mehr aus. Interaktivität und visuelle Ansprache – zum Beispiel durch die „persönliche Ansprache“ in Form von professionellen Videos oder Streamings sind da heute ein Muss. Das zeigt auch auf, wo die Zukunft heute schon zum Teil schon Realität ist und weiter hinführt: Selbstgesteuertes, zeitunabhängiges Lernen mit neuen und modernen Ansätzen der Wissensvermittlung. Gerne kombiniert mit hybriden Ansätzen wie bspw. Live-Streams, Webinaren und natürlich auch 1:1-Sessions mit dem Trainer oder Coach. So oder So: Die klassische Weiterbildung wandelt sich gerade auch fast schon radikal. Übrigens, da schließt sich wieder der Kreis zum Thema Digitale Transformation: Sich verändernde Nutzererwartungen durch neue Technologien. Da muss ich als Anbieter entsprechend aktiv auch meine eigene Transformation angehen.


Stephan, wir danken dir für dieses Interview!